Aussichtsreich

David Coulin | Ausgabe_04_18

Nomen est omen: Die einfache Jurawanderung von der Vue des Alpes zum Mont Racine offenbart ein Alpenpanorama von der Zentralschweiz bis zum Mont-Blanc-Massiv.

@ Tourisme neuchâtelois, Vincent Bourrut, David Coullin

Der Höhenzug des Tête de Ran ist nicht nur ein beliebtes Wanderziel, er scheidet den Kanton Neuenburg auch in die beiden Landschaftstypen Berg und Tal. Zugegeben, dies ist eine grobe Vereinfachung der geografischen Tatsachen, denn der «Berg» (la montagne) ist vielmehr eine Hochebene mit niedrigen Hügelzügen, wo sich die Städte La Chaux-de-Fonds und Le Locle ausbreiten, und das Tal besteht im Wesentlichen aus der Uferzone des Neuenburgersees (le littoral) mit der Kantonshauptstadt Neuchâtel. Zwischen See und Berg geht oft das Val-de-Ruz vergessen, ein breites Tal auf knapp 800 Metern zwischen Chaumont und Tête de Ran, sowie das Val-de-Travers oberhalb der Areuse-Schlucht.

Antiautoritäre Bergler

Die Unterscheidung zwischen unterem und oberem Kantonsteil macht aber trotzdem Sinn. Denn nicht nur die Landschaft, auch die Mentalität der Bewohnerinnen und Bewohner soll verschieden sein. So gelten die «Bergler» als zäh, ausdauernd, individualistisch und antiautoritär, aber auch als offen und solidarisch; die Leute am Neuenburgersee als lebenslustig, fröhlich, locker, unbeschwert, aber auch als autoritätsgläubig und angepasst. Wie dem auch sei, auf dem Grenzweg von der Vue des Alpes zum Mont Racine gibt es jedenfalls keine Animositäten zwischen Wandergruppen von «oben» und «unten». Ganz abgesehen davon, dass sich regelmässig auch einige Ausserkantonale unter die Berggänger mischen.

Unser Ausgangspunkt, die Vue des Alpes, macht ihrem Namen alle Ehre: An klaren Tagen ist das Alpenpanorama von der Zentralschweiz bis zum Mont-Blanc-Massiv zu bewundern. Dieses Panorama begleitet die Wandernden noch eine ganze Weile – bis zum Mont Racine. Das Mittelland liegt zwar oft im Dunst, doch der helle Neuenburgersee ist meistens zu erkennen, und im Vordergrund erstreckt sich – manchmal durch sanfte Abhänge verdeckt – das weite Val-de-Ruz. Auch auf der rechten Seite des Höhenwegs zieht sich ein Hochtal hin, das Val de Sagne mit seinen lang gestreckten Strassendörfern La Sagne, Les Coeudres, Petit-Martel und zuhinterst Les Ponts-de-Martel. Eigentlich sind es gar keine Dörfer, sondern nur Häuserzeilen entlang der am Hangfuss verlaufenden Talstrasse.

Brennstoff aus dem Moor

Jahrhundertelang war das Hochtal ein riesiges Moor und nur über wackelige Holzprügelstege zu überqueren. Von diesen Stegen stammt auch der Name Les Ponts-de-Martel. Bereits im Mittelalter begannen die Bewohner des Val de Sagne Torf abzubauen. Im 19. Jahrhundert nahm die Torfproduktion industrielle Ausmasse an, denn die aufstrebende Uhrenstadt La Chaux-de-Fonds brauchte Unmengen an Brennmaterial. Für den Torftransport wurde gar eine Eisenbahnlinie gebaut. Heute sind von den ursprünglich 1500 Hektar Moor noch ganze 130 Hektar übrig geblieben.

Vom Aussichtspunkt Mont-Racine geht es nun über Weiden und durch ein Wäldchen zur Alpwirtschaft La Grande-Sagneule, wo sich von Mai bis Oktober Gourmets aus dem ganzen Kanton zu einem Fondue oder einer rustikalen Älplermahlzeit treffen. Zum Abschluss der Neuenburger Höhenpromenade führt der Weg über baumbestandene Weiden zur Postautohaltestelle La Tourne hinunter.

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Neuenburger Jura: Vue des Aples–La Tourne
• Charakter
Einfache Höhenwanderung mit Blick auf den Neuenburgersee, die Alpen und Juratäler.
• Schwierigkeit
T1. Die Route verläuft auf dem rot-gelb markierten Jurahöhenweg. Auch für Familien mit kleineren Kindern geeignet.
• Wanderzeit
Vue des Alpes – La Tourne: 3.5 Std.
• Höhendifferenz
Aufstieg: 300 m, Abstieg: 450 m
• Ausgangspunkte
Vue des Alpes (1283 m ü. M.)
Hôtel-Restaurant de la Vue-des-Alpes, Zimmer und Touristenlager, Telefon +41 (0)32 854 20 20, www.vue-des-alpes.ch
Anreise mit öV: Von La Chaux-de-Fonds mit dem Bus auf die Vue des Alpes (nur an Wochenenden und während der Schulferien, Reservation obligatorisch, Tel. +41 (0)32 924 24 75).
Alternative: Von La Chaux-de-Fonds mit dem Zug nach La Corbatière und zu Fuss auf die Vue des Alpes ( ca. 1.25 Std.).
Mit PW: Autobahn nach Neuenburg, Ausfahrt Richtung La Chaux-de-Fonds, Kantonsstrasse bis Malvilliers, Abzweigung Vue des Alpes, und weiter zum Pass. Von La Chaux-de-Fonds auf der Passstrasse zur Vue des Alpes.
La Tourne (1129 M Ü. M.)
Hôtel-Restaurant de la Tourne, Telefon +41 (0)32 855 11 50.
Mit öffentlichem Verkehr: Postauto vom Bahnhof Neuenburg Richtung Le Locle bis La Tourne, Col.
Mit PW: Autobahn nach Neuenburg, Ausfahrt Pontarlier, Ausgang von Corcelles (Kreisel): Richtung Montmollin-Le Locle.
• Route
Von der Vue des Alpes auf dem rot-gelb markierten Chemin des Crètes zum Tête de Ran (1422 m ü. M.) und in leichtem Auf und Ab zum Mont Racine (1439 m ü. M.). Nach 800 m rechts durch eine Mauerlücke zur Bergwirtschaft La Grande-Sagneule (1313 m ü. M.) absteigen. Von dort vorerst auf geteertem Strässchen, dann rechts eine bewaldete Bergflanke hinauf und über einen Höhenrücken nach La Tourne hinunter.
• Unterkunft und Verpflegung unterwegs
Métairie La Grande-Sagneule (November – April geschlossen): gemütliche Bergwirtschaft in uraltem Alpgebäude.
• Karten
Landeskarte 1 : 25 000, 1144 Val-de-Ruz, 1164 Neuchâtel
Landeskarte 1 : 50 000, 222T Vallon St-Imier, 242T Avenches
• Varianten
- Die Wanderung in La Tourne um knapp 3 Stunden verlängern: Auf dem Jurahöhenweg in 25 Minuten zum prächtigen Aussichtspunkt Tablettes (1226 m ü. M.) hinauf, über den bewaldeten Grat des Solmon zur Verbindungsstrasse Noiraigue – Les Ponts-de-Martel (990 m ü. M.) und auf dem Wanderweg nach Noiraigue (733 m ü. M.) hinunter. Mit der Bahn nach Neuenburg.
- Falls kein Bus auf die Vue des Alpes fährt, mit dem Zug nach La Corbatière. Auf dem Wanderweg das Val de Sagne überqueren, durch die Lücke der gegenüberliegenden Hügelkette (Hochspannungsleitung) zur Roche aux Cros. Dort links zur Petite Corbatière hinauf und zur Vue des Alpes hinüber oder direkt hinauf zum Tête de Ran wandern.
- Die Wanderung kann in umgekehrter Richtung unternommen und mit einem Abstieg Richtung La Chaux-de-Fonds oder ins Val-de-Ruz verlängertwerden.

Fotos: Tourisme neuchâtelois, Vincent Bourrut, David Coullin

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