Weshalb schmeckt Gemüse nicht mehr bitter?
Weshalb schmecken die Gemüse heutzutage nicht mehr bitter? Chicoree zum Beispiel war doch früher viel bitterer.
Renata Berner, 5000 Aarau
Antwort
Die Frage ist recht einfach zu beantworten: Das Bittere wird als unerwünschter Geschmack systematisch weggezüchtet. Äpfel werden mit der Sortenverarmung immer langweiliger, da ihnen die Säure entzogen wird und Golden Delicious den Einheitsgeschmack prägt, und bei Salatsorten, Gurken usw. wird das Bittere immer mehr eliminiert. Bitter und sauer sind suspekt, salzig und süss sind in. Diese Geschmacksprägung erlebe ich auch bei meinen Kindern: Die älteren über 20-Jährigen schätzen bittere Salate wie Cicorino, die jüngeren lehnen sie grundsätzlich ab. Das gilt auch für Demeter-Rohmilch, die aus ihrer Sicht nach Käse schmeckt, während ich sie als Delikatesse schätze.
Solche Entwicklungen Richtung langweiligen Einheitsgeschmack mag man bedauern, es lässt sich ihnen aber auch entgegensteuern. Kaufen Sie Ihre Salate in Bioläden oder auf Wochenmärkten. Dort findet sich eine grosse Auswahl an ursprünglich bitteren Salaten, Wurzeln und Artischocken. Vor allem die Gattung Cichorium, deren Urpflanze die Wegwarte bildet und zu denen der Chicoree, der Cicorino, Endivien, aber auch der Catalonga gehört, ist dort vertreten. Doch auch die bei uns heimischen Wildpflanzen, wie etwa die jungen Triebe des Löwenzahns, tragen den bitteren Geschmack weiter, regen Leber und Galle an, fördern die Fettverdauung und machen Essen zu einem sinnlichen Erlebnis.
Heinz Knieriemen
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