Liebeserklärung an den Maisfladen
Vor 55 Jahren waren wir im Bündnerland im Ort Ftan in den Ferien bei einem Landwirt einquartiert. Mit diesem ging ich öfters frühmorgens mit aufs Feld, und da gab es zum Znüni einen nur mit Wasser und Salz, eventuell etwas Milch gekochten trockenen Maisfladen. Der hatte eine Fülle von Geschmackskomponenten, er schmeckte köstlich. Seitdem habe ich alle Maisarten aus Bioläden und Reformhäusern, die feinen und die groben Bramatas durchprobiert – mit dem traurigen Resultat: Sie schmecken alle einheitlich nach nichts und müssen mit Käse aufgepeppt werden. Woran liegt das?
Silvia Sachs, Grenchen
Antwort
Mais ist in der industriellen Landwirt- schaft und der Nahrungsmittelindustrie als erstes unter die Räder gekommen. Bereits 1979, als ich in den USA weilte, wurde Mais dort zur wichtigsten Zucker- pflanze, überholte und verdrängte das Zuckerrohr. Mais ist das mit Abstand wichtigste Stärkeausgangsprodukt, das durch Spaltung in Glucose und Fructose getrennt wird. Damit hatten die Ameri-kaner eine Waffe gegen das ungeliebte Kuba in der Hand. Zudem wurden die ursprünglichen Sorten der indigenen Völker Mittel- und Südamerikas verdrängt. Heute wird über Mais und die gentechnisch veränderten Sorten, die auch das wichtigste Futtermittel darstellen, der Weltmarkt für Zucker in ruinöser Weise dereguliert. Mais ist ein möglichst stärkehaltiges Massenprodukt geworden, und die Sortenverarmung trägt ein Übriges zur Geschmacksnivellierung bei. Doch wie immer zeigen sich in solchen Situationen auch Lichtstrahlen am Horizont.
• Das Anhalonium Ferme Bio Eco in Brevette, 71500 Vincelles, Frankreich, züchtet seit vielen Jahren alte Maissorten und die Sorten indigener Völker. Martin Häfeli, der das Anhalonium gegründet hat und führt, geht es vor allem um die Erhaltung der Sortenvielfalt, aber auch um neue Qualitätsaspekte. Das Anhalonium mit seinem Projekt zur Erhaltung und Entwicklung von Maisvarie-täten im biologischen Landbau bietet eine Mitgliedschaft an, in deren Rahmen 6 bis 7 Briefli der unterschiedlichen Maisvarietäten versandt werden. Die Mitglied-schaft kostet 44 Franken und erlischt nach einem Jahr automatisch.
• C.+R. Zollinger, Biologische Samengärtnerei, 1894 Les Evouettes, Telefon 024 481 40 35, bieten den ursprünglichen Rheintaler Ribelmais, einen offen abblühenden Zuckermais (Golden Bantam) und einen indianischen Popcorn-Mais an.
• Adrian+Susanne Jutzet-Jossi, biosem, Le Burkli 39, 2019 Chambrelien, Telefon 032 855 14 86, kultivieren die offen abblühende Sorte Golden Bantam und zwei offen abblühende Sorten Popcorn-Mais (gelber und schwarzer).
Sorten anbauen und vermehren heisst Sorten erhalten und die Vielfalt bewahren. Leider kreuzen sich die Maissorten auf eine Distanz bis zu einem Kilometer. Für Biobauern wird es in der kleinräumigen Schweiz schwierig, gentechfreies Saatgut zu garantieren, sollten Sorten aus dem Genlabor zum Anbau zugelassen werden.
Heinz Knieriemen
Kostenlose Maissamen für Leserinnen und Leser
Kostenlos 12 bis 24 Körner der unterschiedlichsten Maisvarietäten gibt es gegen ein frankiertes Rückantwortcouvert (B-Post, Couvert mindestens C6-Format) bei: H. Knieriemen, Dachsweg 12, 4512 Bellach
Die vom Anhalonium in Vincelles zusammen-gestellte Auswahl reicht vom Marokkanischen Zuckermais über Hellrosa Erdbeerperlmais bis hin zu Maricopa, Blue Cuties, Millette du Lauragais, Painted Mountain und Serre-Rustaing Divinité.
Mais benötigt als Starkzehrer einen nährstoffreichen Boden.
Guter Aussaattermin ist von Mitte April bis Mitte Mai.
Kommentare