Krebsvorsorge, ja oder nein?

Anführungszeichen Ich kann die Überlegungen und Argumente zur Krebsvorsorge bei Frauen, wie sie Heinz Knieriemen in seinem Beitrag im «Natürlich» 1-09 vorbringt, nachvollziehen und unterschreiben. Aber am Ende des Berichtes bleibt bei mir die Frage nach dem konkreten Wie. Nachdem mein Onkel vor eineinhalb Jahren überraschend und innerhalb von zwei Monaten nach der Diagnose an Krebs starb und andere Menschen Krebs früher bemerken, Chemotherapien und Bestrahlungen über sich ergehen lassen, die Nebenwirkungen davon in Kauf nehmen müssen und dann doch nach vielleicht ein bis vier Jahren sterben, frage ich mich, was denn besser ist? Handelt meine Mutter, die schon seit vielen Jahren nicht mehr bei einer frauenärztlichen Untersuchung war, fahrlässig? Sie meint dazu, dass ihre Mutter das auch nie beanspruchte und trotzdem keine Probleme hatte. Schlusszeichen P.M., Bern

Antwort

Was Sie ansprechen ist wohl der Kern des Problems. Man kann Nutzen und Risiken abwägen, Überlegungen anstellen, kritische Fragen stellen usw. Doch der Entscheid, welche Untersuchungen man wie oft über sich ergehen lassen soll, kann jede Frau nur für sich selber beantworten. Und genau da liegt die Schwierigkeit. Wie viel Verantwortung übernehmen wir für uns selber und unsere Gesundheit? Die Vorsorgeuntersuchungen retten in den wenigsten Fällen ein Menschenleben. All diese Checks geben uns vielmehr vermeintliche Sicherheit. Doch vor Krankheiten bewahren sie uns nicht – erst recht nicht vor der Tatsache, dass wir alle irgendwann einmal sterben werden. Ihre Mutter handelt in meinen Augen absolut nicht fahrlässig. Ich glaube, dass vieles, was uns geschieht oder was wir erleben, von unserer Einstellung abhängig ist. Warum sollen Sie Ihrer Mutter Angst machen oder ihr ins Gewissen reden, wenn sie so überzeugt ist, dass sie so etwas nicht braucht? Insgeheim weiss jeder Mensch, was gut für ihn ist. Nur haben die wenigsten den Mut, daran zu glauben oder hinzuhören. Angstmacherei ist wohl das effizienteste Mittel, dieses innere Gefühl zum Schweigen zu bringen.

Sabine Hurni


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