Kräuterschnaps selber machen
Kürzlich schrieben Sie in einem Artikel von der Wirkung der Taubnessel. Da ich ab und zu selber Schnaps ansetze, interessiert mich die genaue Herstellung von Taubnesselschnaps und Likör.
Karl Rohner, Widnau
Antwort
Für Taubnesselschnaps und -likör gilt folgendes Grundrezept:
• Heilpflanzentinktur: Im Frühjahr 1 Kilogramm frisches, blühendes Pflanzen- material sammeln und hacken. Sie können entweder die ganze Pflanze ohne Wurzel oder nur die Blüten verwenden. Geben Sie das Pflanzenmaterial in ein verschliessbares, dunkelwandiges Glas. Füllen Sie es mit 800 Gramm 86-prozentigem Trinkalkohol auf. Den können Sie in Drogerien auf die gewünschte Stärke verdünnen lassen. Der Alkohol entzieht dem Pflanzenmaterial die löslichen Bestandteile. Nach zwei Wochen ist dieser Prozess abgeschlossen und Sie können die Mischung durch ein Leinentuch giessen und gut auspressen. Abgefüllt in dunklen Flaschen ist die Tinktur einwandfrei über längere Zeit haltbar. Einnahme: 20 bis 30 Tropfen, zwei- bis dreimal täglich.
Übrigens: Auch mit anderen Pflanzen (Schafgarbenblüten, Arnika, Ringelblumen) oder Gewürzen (Chili, Anis) kann man nach der gleichen Methode Tinkturen herstellen. Wichtig dabei ist, dass das Pflanzenmaterial fein geschnitten oder gequetscht, vollständig mit Alkohol bedeckt ist.
• Heilpflanzenschnaps: Um das Pflanzenmaterial zu bedecken, reicht für den Hausgebrauch oftmals auch Wodka oder Kirsch mit über 40 Volumenprozent Alkohol. Da sich so aber weniger Wirkstoffe lösen als mit dem hochprozentigen Alkohol in der Tinktur, muss für die gleiche Wirkung eine grössere Menge eingenommen werden. Anstatt 30 Tropfen nimmt man gleich ein Schnapsglas voll.
• Heilpflanzenlikör: Zur Herstellung von Likören stellen Sie zuerst ebenfalls die Tinktur her. Diese mischen Sie im gleichen Verhältnis (1:1) mit Zuckersirup. Den stellt man mit 1 Kilogramm Wasser und 1,7 Kilogramm Zucker her. Für den privaten Gebrauch reicht aber auch eine kleinere Menge Zucker. Um dem Likör einen aromatischen Charakter zu verleihen, dürfen Sie ihn noch würzen. Denn gerade die Taubnessel hat nicht viel Eigengeschmack. Nelken, Zimt oder natürliches Orangenaroma eignen sich gut dazu.
Sabine Hurni
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