Der Weg ins Unbekannte
Ich las kürzlich, dass Depressionen mit einer Therapie und Medikamenten vollständig heilbar ist, wenn man es denn zulasse. Was meinen Sie dazu?
Leonhard Zwiauer aus Aarau
Antwort
Meine Einschätzung deckt sich grundsätzlich mit dieser Aussage. Es braucht aber unbedingt beides: Die Medikamente helfen dabei, dass die Betroffenen überhaupt die Kraft aufbringen, ihr Leben umzukrempeln. Denn meistens schreit die Depression nach einer Richtungsänderung. Will das Herz das Eine und der Kopf etwas Anderes, kann ein derart grosser innerer Konflikt entstehen, dass man irgendwann völlig blockiert ist und überhaupt nicht mehr aus dem Bett kommt. Der innere Konflikt kann aber auch noch tiefer liegen, auf einer unbewussten, seelischen Ebene.
Der Weg aus der Depression führt meistens zu etwas Neuem, Unbekanntem hin. Dies zu erkennen und auch zuzulassen, braucht wahnsinnig viel Mut. Vielleicht heisst es, etwas aufzugeben, wofür man vorher gelebt hat – einen Glaubenssatz oder einen Wert. Vielleicht muss man ein Gefühl zulassen, das man vorher verdrängt hat, weil es einem zu schmerzhaft erschien.
Wichtig für die inneren Prozesse und als Begleitung auf dem oft steinigen Weg ins Unbekannte ist ein wirklich guter Therapeut, der lösungsorientiert arbeitet. Dabei werden Ressourcen mobilisiert, die den Betroffenen die nötige Energie generieren, um Schritt für Schritt aus dem Loch zu kommen. Sofern sie das wollen. Informationen erhalten Sie auch auf folgenden Webseiten: www.depression.ch oder www.depressionen.ch
Sabine Hurni
Foto: n.koppdelaney / flickr / cc
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