Arzneimittel in Gewässern
Was heisst «abbaubar» bei den Waschmitteln? Wie sieht es eigentlich mit den Medikamenten aus, die wir über die Verdauung ausscheiden?
Dorothea Raabe, Zürich
Antwort
Bakterien, wie sie in unseren Gewässern natürlicherweise vorkommen oder in Kläranlagen in hoher Konzentration vorhanden sind, vermögen chemische Bindungen zu spalten. Dazu benötigen sie Sauerstoff. Dabei entstehen zunächst kleinere Moleküle und letztlich Kohlendioxid (CO2). Bruchstücke des ursprünglichen chemischen Stoffs können auch ins Zellmaterial der Bakterien eingebaut werden. Verläuft der Abbauprozess vollständig, so spricht man von Mineralisierung.
Bei Waschmitteln ist heute vorgeschrieben, dass ihre waschaktiven Inhaltsstoffe – die sogenannten Tenside – mineralisierbar sind. Die Abbaubarkeit lässt sich in standardisierten Tests nachweisen. Dazu wird in einer wässerigen Lösung, welche die Testsubstanz und Bakterien enthält, der Sauerstoffverbrauch oder die CO2- Bildung gemessen.
Medikamente sind unterschiedlich gut, teilweise aber auch schlecht abbaubar. Im Unterschied zu den Waschmitteln bestehen hier keine rechtlichen Anforderungen an die Abbaubarkeit. Würde man dieselben strengen Massstäbe ansetzen wie bei den Tensiden, so dürften viele wichtige Arzneimittel nicht mehr verkauft werden.
Andreas Weber, Bundesamt für Umwelt (BAFU)
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